Positionen und Stellungnahmen

Aktuelle politische Themen des ländlichen Raumes gehen natürlich an uns nicht vorbei, denn wir stehen ein für die Interessen unserer Mitglieder! Daher entwickeln wir immer wieder Postionspapiere, Stellungnahmen und Handreichungen, welche wir Ihnen auf dieser Seite gerne zur Verfügung stellen. Bei inhaltlichen Rückfragen freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Das Leitbild der KLB Münster finden sie übrigens im Menü unter Über den Verband

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Vorschlag der KLB zur Zukunft der gemeinsamen Agrarpolitik Europas GAP | KLB Deutschland (2018)

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Herausgeber:

Katholische Landvolkbewegung (KLB) Deutschland | 18.09.2018


Agrarpolitik ist Europapolitik

Vorschlag der KLB zur Zukunft der gemeinsamen Agrarpolitik Europas GAP Agrarausgaben erhalten

Die KLB fordert, trotz des BREXIT, die EU Agarausgaben in voller Höhe zu erhalten. Kürzungen im Agrarhaushalt gefährden eine nachhaltige Entwicklung der ländlichen Räume. Besonders in den peripheren Regionen Europas können sie zu Strukturbrüchen führen. In Europas Osten und Süden werden viele landwirtschaftliche Betriebe noch sehr lange auf europäische Transferleistungen angewiesen sein.

Ziel einer gemeinsamen Agrarpolitik muss es deswegen sein, sich stärker für die Weiterentwicklung der ländlichen Regionen Europas einzusetzen. Wir müssen das europäische Agrarmodell mit Förderung einer multifunktionalen, bäuerlichen Landwirtschaft in Europa sichern. Bäuerliche Landwirtschaft bildet in vielen Teilen Europas das wirtschaftliche Rückgrat der Regionen. Die Existenzsicherung selbständiger bäuerlicher Landwirtschaft ist dabei nicht nur die Grundlage der Nahrungsmittelproduktion, sondern schafft durch die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte vor Ort Arbeitsplätze und damit funktionsfähige ländliche Regionen.

Erste Säule grundlegend reformieren

Deswegen begrüßen wir im Grundsatz die Vorschläge der EU-Kommission zur „Modernisierung und Vereinfachung“ der GAP und die Beibehaltung des Zwei-Säulenmodells. Wir fordern jedoch eine grundlegende Reform der ersten Säule. Leistungen zur Verbesserung des Umwelt- und Tierschutzes und einer klimaschonenden Landbewirtschaftung sollen ausschließlich in der ersten Säule gefördert werden. Landwirte stellen lebenswichtige öffentliche Güter für die Gesellschaft bereit. Deshalb sehen wir die Unterstützung dieser Leistungen in der ersten Säule der GAP verankert. Wichtig ist uns, europaweit die direkte Einkommensstützung der Landwirte durch die erste Säule zu sichern.

Genauso wichtig ist aber auch der Erhalt lebendiger ländlicher Räume durch Förderung der Agrarstruktur in der zweiten Säule. Der Kofinanzierung dieser Mittel muss im Sinne einer stabilen ländlichen Entwicklung im Osten und Süden Europas überdacht und angepasst werden. Häufig können dort die erforderlichen Eigenmittel nicht aufgebracht werden.

Entlohnung für die Bewirtschaftung der Fläche – nicht für den Besitz von Land

Das Modell zur Entlohnung öffentlicher Leistungen in der ersten Säule muss von der Kommission erarbeitet werden. Wir schlagen eine betriebliche Grundprämie für die ersten Hektare zum Ausgleich von Wettbewerbsnachteilen und zur Förderung von „Gemeinwohlleistungen“ vor.

Diese Gemeinwohlleistungen sollten als freiwillige Leistungen in den Bereichen Umwelt, Klima und Tierwohl erfolgen. Für diese freiwilligen Verpflichtungen der Landwirte sollten mindestens 50% der Gelder in der ersten Säule verwendet werden. Die Leistungen bestehen zum Beispiel aus Fördermaßnahmen wie z.B. verringertem Tierbesatz, Arbeitskräfteeinsatz, freiwilliges Greening, Weidehaltung, Biodiversität fördernde Extensivierung, Klimaschutz, kleineren Schlaggrößen.

Solcherlei freiwillige und spezifische Gemeinwohlleistungen können als freiwillige Maßnahmen bis zu 50 % der bisherigen ersten Säule finanziert werden.

Wir begrüßen die Forderung der Kommission und der Politik sich auf die Förderung der kleinen und mittleren Familienbetriebe zu konzentrieren. Die Förderung soll sicherstellen, dass die Bewirtschaftung der Fläche und nicht der Besitz von Fläche belohnt wird.

Konkrete Vorschläge für die erste Säule:

  1. Eine sanktionsfreie Grundprämie pro Hektar in Höhe von ca. 25%-30% der bisherigen 1.Säule.
  2. Ab einer Förderung von 60.000 € ist die Höhe der Prämie degressiv zu gestalten.
  3. Eine Förderung der freiwilligen Module für Gemeinwohlleistungen im Umwelt- und Tierwohlbereich in Höhe von mindestens 50 % der bisherigen Prämie.
  4. Eine Junglandwirteprämie für 5 Jahre als Festbetrag ist wichtig, um junge Betriebe zu unterstützen.
  5. Voll-, Zu- und Nebenerwerbsbetriebe sichern in vielen Regionen Europas das Familieneinkommen. Sie alle sind Landwirte im Sinne des Europäischen Agrarmodells und in ihrer Vielfalt zu unterstützen.
  6. Wirkungsorientierung ist grundsätzlich begrüßenswert, jedoch sehen wir noch keine belastbare Datengrundlage. Wichtig ist, dass ein Landwirt die Mittel für eine Maßnahme erhält, auch wenn die Wirkung nicht durch den Landwirt belegbar ist.

Wenn Landwirte maßgeschneiderte Lösungen im Natur- und Umweltschutz und bei Tierwohlmaßnahmen freiwillig durchführen, fördert dies die Akzeptanz der EU-Agrarpolitik bei Landwirten und in der Gesellschaft. Weiterhin reduziert es den Kontrollaufwand auf tatsächlich beantragte Leistungen. Diese gemeinwohlorientierten agrarökologischen Leistungen in der 2. Säule zu verankern erhöht zwar die Flexibilität der Mitgliedsstaaten, benachteiligt aber finanzschwächere Mitgliedsstaaten wegen der benötigten Kofinanzierung. Auch sehen wir die Gefahr, dass dies langfristig zu einer Renationalisierung der Agrarpolitik führen könnte. Dagegen stellen wir uns entschieden!

Unterstützung der nationalen und/oder regionalen Förderung der Agrarstruktur durch die zweite Säule

  1. Ländliche Entwicklung ist zuerst Aufgabe der Regionen, auch um dort Selbstverwaltung und Eigenverantwortung zu stärken. Dieses Subsidiaritätsprinzip ist im Maastrichter Vertrag von 1992 festgeschrieben. Die zweiten Säule der GAP, die ELER-Förderung zur Entwicklung des ländlichen Raumes unterstützt dieses Anliegen.
  1. Obwohl wir die Förderung der ländlichen Entwicklung für unabdingbar halten, ist im Sinne der Mitteltransparenz fraglich, diesen Teil der ELER-Förderung nur den Agrarsubventionen zuzurechnen. Ländliche Entwicklung ist eine grundgesetzlich verankerte Aufgabe, die mit Landwirtschaft nur indirekt verbunden ist.
  2. Die ELER-Förderung muss auf ihre tatsächlichen agrarstrukturellen Ziele hin konzentriert werden, wie z. B. ländliche Infrastruktur, Unterstützung regionaler Vermarktungsstrukturen und Erzeugergemeinschaften sowie Beratungsangebote.
  3. Die vorliegenden Vorschläge zur Reduzierung von Bürokratie, z. B. dem ELER-Reset 2020 durch Maßnahmen wie das „Single Audit System“ und Weiteres mehr sind zu begrüßen, um die bürokratischen Hürden für Landwirte zu verringern.

Ausdrücklich begrüßt die KLB den Vorschlag, die LEADER Programme zur Stärkung der eigenen Kräfte der ländlichen Entwicklung weiterhin als Bestandteil der ELER-Programme zu fördern. LEADER- Programme fördern in Form eines „Bottom Up Ansatz“ besonders die Lebensqualität und Wirtschaftsentwicklung in benachteiligten ländlichen Räumen. Nachhaltige ländliche Strukturförderung und Agrarpolitik gehören untrennbar zusammen. Einkommenswirkungen bei Landwirten sind zudem ein wesentlicher Teil ländlicher Entwicklung. Beides gehört in die Zuständigkeit der Generaldirektion Landwirtschaft.

Agrarexporte

Bei Agrarexporten ist unbedingt darauf zu achten, dass die Märkte in den LDC-Ländern nicht gestört werden und einheimische Landwirte in Entwicklungsländern benachteiligt werden.

Seelsorgliche Begleitung von betroffenen Landwirten im Tierseuchenfall | KLB, KLJB, LVHS, Institut für Kirche und Gesellschaft (2018)

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Herausgeber (2018):

Katholische Landvolkbewegung (KLB) im Bistum Münster

Katholische Landjugendbewegung (KLJB) im Bistum Münster e.V.

Katholische Landvolkshochschule (LVHS) Freckenhorst

Institut für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen

Diese Handreichung wurde erstellt von einer ökumenischen Arbeitsgruppe der oben aufgeführten Einrichtungen. Sie basiert auf der Arbeitshilfe „Seelsorgende im Tierseuchenfall“ des Kirchlichen Dienstes auf dem Land der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Die Aussagen ehemals betroffener Landwirte sind der Studie von Karin Jürgens „Tierseuchen in der Landwirtschaft. Die psychosozialen Folgen der Schweinepest für betroffene Familien - untersucht an Fallbeispielen in Nordwestdeutschland“ (Würzburg 2002) entnommen.


Seelsorgliche Begleitung von betroffenen Landwirten im Tierseuchenfall

Handreichung für Seelsorgerinnen und Seelsorger

Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Deutschland ankommt und unsere Schweine befällt. Wildschweine verbreiten diese Krankheit aktuell vor allem in Osteuropa. Fälle in Tschechien und Westpolen werden immer häufiger. Ein Seuchenausbruch in Ballungszentren der Schweinehaltung wie dem Münsterland, dem Emsland oder in Südoldenburg hätte verheerende Folgen für die Bauernfamilien. In den letzten Jahren waren nur punktuell Betriebe z.B. wegen der Geflügelpest betroffen. Tierseuchenfälle wie die Schweinepest liegen Gotts sei Dank schon mehr als 10 Jahre zurück

Die Erfahrungen aus diesen Tierseuchenzügen in Deutschland (Schweinepest) und sowie mit MKS und BSE haben einen Eindruck von der schwerwiegenden Krise und der seelischen Not vermittelt, welche betroffene Landwirtsfamilien in einem solchen Fall erleben. Seelsorgerinnen und Seelsorger sind zur Begleitung der Landwirte herausgefordert. Spezialistinnen und Spezialisten für den Tierseuchenfall gibt es meistens nicht. Daher möchte die vorliegende Handreichung einige Basisinformationen zu der Situation vermitteln, in die sich Seelsorgende in einem solchen Fall begeben. Vieles ähnelt dabei sicherlich der Begleitung eines Trauerfalles oder eines anderen traumatischen Erlebnisses.

Welchen Ablauf hat die Keulung (Tierbestandstötung) eines Hofes und wie werden die Phasen von den Betroffenen erlebt?

Von einem Tierseuchenfall betroffene Landwirtsfamilien erleben die „Keulung ihres Hofes“. Landwirte sprechen meist nicht von der Keulung ihrer Tiere oder ihres Bestandes, sondern eben von der Keulung ihres Betriebes, denn der ganze Hof wird davon in Mitleidenschaft gezogen. Zum einen wird erlebt, wie Tiere massenhaft und, so wird es empfunden, sinnlos getötet werden und dadurch die Beziehung zwischen Mensch und Tier schmerzhaft beendet wird. Zum anderen hat die Keulung betriebswirtschaftliche Konsequenzen, die im schlimmsten Fall den Bestand des Betriebes existentiell gefährden können. Man kann sich zwar versichern. Aktuell lehnen bei der Afrikanischen Schweinpest viele Versicherer sogar Neuabschlüsse ab.

Zunächst steht der Verdacht im Raum, eines oder mehrere Tiere könnten von einer Tierseuche oder Krankheit betroffen sein, bei deren Vorliegen eine Keulung gesetzlich vorgeschrieben ist. Unbestimmte Ängste vor der Keulung des Betriebes und ein Gefühl von Autonomieverlust bestimmen das Erleben der Betroffenen. Es gibt nichts, was sie tun können, um sich aus dieser Situation aus eigener Kraft zu befreien. Die Ängste können sich bereits jetzt verdichten, zu Fluchtphantasien führen oder sich mit anderen ungelösten Problemen vermischen. Die seelische Not der Betroffenen beginnt bereits in dieser Phase.

Bestätigt sich der Verdacht, kommt – meist kurz danach - ein Keulungsteam auf den Hof. Für die Keulung der Tiere ist der Kreisveterinär verantwortlich. Das Team, das ihn begleitet, wird oft erst in der akuten Situation zusammengestellt. In Regionen, in denen es eine Notfallseelsorge gibt, wird diese informiert und kann ebenfalls vor Ort sein. Die Szenerie erinnert an einen Science-Fiction-Film: Die Mitglieder des Keulungsteams tragen Schutzanzüge, das Töten der Tiere erfolgt mithilfe kalter Technik, gegebenenfalls wird ein Sperrbezirk errichtet. Auf dem Hof bricht Hektik aus. Die Landwirtsfamilie muss die Massentötung ihrer Tiere mitansehen und dabei vielleicht dem Keulungsteam in der einen oder anderen Weise zur Hand gehen. Sie erlebt sich als Opfer, empfindet ohnmächtige Wut, die sich oft gegen den Kreisveterinär als Vertreter der Obrigkeit richtet. Die Tötung der Tiere wird als entsetzlich und grausam empfunden. Im Moment des Verlustes tritt die emotionale Bindung an das Nutztier vor den Sachbezug, der das Mensch-Tier-Verhältnis in der Landwirtschaft mitprägt. So berichtet ein Landwirt, dessen Hof von der Schweinepest betroffen war, nach Jahren:

„Es ist sagenhaft – es ist ja schließlich nur Vieh. […] Aber es ist wirklich komisch, dass man so etwas so schwer nimmt. Ja gut, - es war nicht bloß Arbeit, sondern es sind eben Tiere.“ (Hero H.) Zum Teil wird der Verlust wie ein Trauerfall in der Familie empfunden.

Fast jeder Landwirt hat seinen Ritus, von einzelnen Tieren, die zu gegebener Zeit geschlachtet werden, Abschied zu nehmen. Beim Erleben der Keulung versagen diese Riten zum Teil aus unterschiedlichen Gründen. Durch den schnellen Ablauf des Geschehens bleibt im Vorfeld der Keulung wenig Zeit. Hat die Keulung stattgefunden, kann die Trauer oft nicht ausgelebt werden (Grabverlust). So bleibt der Prozess über lange Zeiträume unabgeschlossen und begleitet jede neue Krisis.

Ist die Keulung abgeschlossen, muss der Landwirt zur Seuchenbekämpfung die Reinigung und Desinfizierung des Betriebes vornehmen. Diese Reinigung ist eine Entfremdung und selbst das Ausmisten wird zum Ritual. Dabei wird die Sinnlosigkeit und Absurdität des Geschehens der Keulung oft nochmals erlebt. Viele Landwirtsfamilien empfinden diese Arbeit als Zwangsarbeit: „Also das muss man mal gesehen haben, wie sauber man die Ställe ausspritzen muss. Was das für eine dämliche Arbeit ist. Das ist ganz furchtbar! Wir hatten nichts, und wir mussten es trotzdem machen. (Marie H.)“ So berichtete eine Landwirtin, deren Bestand aufgrund der Schweinepest gekeult wurde. Zum Teil wird das Tötungsgeschehen noch abgewehrt und verleugnet, es setzt aber langsam ein längerer Prozess der Verlust- und Trauerarbeit ein, dabei werden verschiedene Trauerphasen durchlebt, zum Teil aber nicht beendet.

Nach der Keulung und Reinigung setzt die lange Phase des leeren Stalles ein. Der leere Stall konfrontiert die Betroffenen immer wieder mit der Realität und ist auch ein Symbol für die Zukunftsangst, die mit der Tierseuche verbunden ist. Die Zeitstrukturen und Lebensrhythmen, durch welche die Landwirtschaft geprägt ist (Melk- und Fütterungszeiten, Hofpräsens) brechen zusammen. Die Landwirtsfamilie verliert ihre Identität. Man hat das Gefühl ohne Tiere kein Bauer mehr zu sein.

Es gibt einen Überschuss an Freizeit, den man bei gleichzeitigen finanziellen Engpässen nicht zu nutzen weiß. Viele fürchten sich vor sozialen Kontakten, davor Rechenschaft geben zu müssen und fühlen sich schuldig. Viele empfinden, verursacht durch verdeckte und offene Schuldzuweisungen durch das kollegiale Umfeld, eine soziale Isolation. Die Dorfgemeinschaft distanziert sich von dem, der die Seuche ins Dorf gebracht hat. Solche Schuldzuweisungen kommen auch im Verhältnis der Generationen auf dem Hof vor, indem man sich gegenseitig die Kompetenz abspricht.

Die Keulung führt außerdem zu wirtschaftlichen Verlusten. Man macht die Erfahrung, bei Banken und Zulieferern betteln zu müssen. Zahlungen der Tierseuchenkasse sind meist nicht sofort zu erwarten. Es kommt zu Liquiditätsengpässen. Aber auch nachdem wieder aufgestallt wurde, dauert es in Zuchtbetrieben oft Jahre bis z.B. der zuvor durch sorgfältige Zucht erarbeitete Standard wieder erreicht wird. Besonders erschwert wird die Verarbeitung, wenn der Tierseuchenzug in der Region anhält oder der Betrieb schon einmal von einer Tierseuche betroffen war.

Welche Belastungssymptome treten auf und worin liegen ihre Ursachen?

Landwirte, die eine Keulung erlebt haben, berichten zum Teil von Reaktionen, die als posttraumatische Belastungssymptome eingeordnet werden können: Sie sind reizbar, übererregt, leiden unter Schlaflosigkeit und körperlicher Ermattung. Sie ziehen sich in sich zurück, verlassen den Hof nicht mehr, halten nicht mehr an, um zu klönen oder gehen in einem anderen Dorf oder einer anderen Stadt einkaufen. Sie verlieren auch das Interesse an ihrer Familie oder fühlen sich ihr entfremdet. Diese Schwierigkeiten können einen Monat und länger anhalten. Andere haben Alpträume und Angstanfälle, in denen sie die Keulung des Betriebes nochmals erleben. Oft versuchen Betroffene auch plötzlich mit anderen unfertigen Problemen schwächerer Natur aufzuräumen (z. B. Familienstress) – was natürlich nicht gelingen kann.

Mit Tierseuchen geht, wie der MKS-Seuchenzug in Großbritannien gezeigt hat, eine hohe Suizidgefahr einher. Ein Selbstmordversuch oder der Gedanke daran kann als Hilfeschrei, in der Hoffnung rechtzeitig gefunden zu werden, oder als letzter „logischer“ Ausweg empfunden werden.

Diese Reaktionen werden durch verschiedene Dimensionen des Geschehens hervorgerufen. Durch die Anordnung der Staatsobrigkeit, seine Tiere (sinnlos) zu töten und durch die Auflösung der gewohnten Zeitstrukturen erlebt der Landwirt einen Verlust seiner „bäuerlichen“ Autonomie sowie seines berufsethischen Halts. Er fühlt sich in seiner traditionellen Selbstbestimmung entmündigt. Das Seuchengeschehen selber ereignet sich willkürlich. Man erlebt sich als Opfer einer höheren Macht, des Schicksals, das aus eigener Kraft nicht abzuwenden ist. Die Sicherheitsideologien sowie der Glaube an einen tiermedizinischen Fortschritt, der die Seuche besiegt hat, zerbrechen. Diese Erfahrung wird sowohl durch die staatlichen Anordnungen als auch durch die politische Ausschlachtung der Ereignisse in den Massenmedien verstärkt. Auch diese werden nämlich als Willkür erlebt. Sie potenzieren das Gefühl der Hilflosigkeit. Man wird Opfer einer veralteten Rechtslage, einer praxisfremden Forschung, einer unzureichenden Notfallvorsorge.

Als Unternehmer lebt der Landwirt außerdem von seinem Ruf. Er ist kreditwürdig, ein würdiger Handelspartner, der gute Bauer um die Ecke. Die Tierseuche bewirkt die Zerstörung dieses Rufs. Dadurch wird die durch sie verursachte Unbestimmtheit der Zukunft noch verstärkt. Zukunftsängste werden außerdem durch das Wissen vergrößert, dass Tierseuchenkasse und Versicherung bei einer zweiten Welle nichts mehr zahlen.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Eindruck der Desolidarisierung der Gesellschaft, der durch die klischeebeladenen Berichte der Massenmedien vermittelt und mitverursacht wird. Eine betroffene Landwirtin berichtet: „Ich bin einkaufen – da höre ich wie einer sagte: ‚Ach heute steht ja in der Zeitung, jetzt ist ja diese Pest vorbei. Es ist ja nun alles wieder freigegeben. Dann hört die Quakerei der Bauern ja wohl auf.‘ Da habe ich mich umgedreht und gesagt: ‚Ja, wir drücken morgen auf den Knopf und dann quiekt es in allen Ställen wieder.‘ Also, ich war fertig, ich bin es heute noch.“ (Anne A.). Die Erfahrung einer Tierseuche ist anderen existenziellen Erfahrungen und Auslösern für einen biographischen Deutungsverlustes, etwa einem Todesfall in der Familie, ähnlich.

Anknüpfungspunkte für seelsorgliche Begleitung

Oft sprechen Nachbarn, Veterinäre oder landwirtschaftliche Sprecher den Seelsorger vor Ort direkt an – man wird eingeführt, ist willkommen. Andernfalls, insbesondere, wenn man die Familie nicht schon kennt, ergibt sich ein Kontakt über ein Telefonat. Stammt der Seelsorger selbst aus einem bäuerlichen Hintergrund, erleichtert das vieles. Angesichts der Situation ist jedoch entscheidend, dass er oder sie nicht mit denen identifiziert wird, die innerhalb der traumatisierten Wirklichkeitserfahrung mit den Verursachern der Ohnmachts- und Desolidarisierungserfahrung (Institution / Obrigkeit / bissige Erntedankpredigt aus dem Vorjahr) gleichgesetzt werden. Der Seelsorger sollte als verlässlich erlebt werden können. Eine ungezwungene Kontinuität des Begleitungsangebotes ist sinnvoll, insbesondere dann, wenn es auf dem Hof still geworden ist.

Begleitung der Landwirtsfamilie bei der Keulung ihres Hofes bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Seelsorger bei der Tötung dabei ist. Die Einschätzung, wessen man sich aussetzen kann, ist wichtig. Ist der Seelsorger während der Keulung auf dem Hof, muss er sich allerdings auf eine Vielzahl betroffener Personen und auch Helfer (Kreislandwirt, Kreisveterinär, Feuerwehr, Polizei usw.). einstellen. „Kirche am Küchentisch“, an dem sich die Wege der Familienmitglieder kreuzen, ein gemeinsamer Spaziergang mit den Altenteilern oder das Angebot zu einer gemeinsamen Abwesenheit, während auf dem Hof gekeult wird, können jedoch ebenso hilfreich sein. Schlüsselelement einer seelsorglichen Begleitung vor und am Tag der Keulung ist ein rechtzeitig eingeleiteter Abschied oder ein Abschied im Nachhinein, den angesichts der Unfassbarkeit des Ereignisses eigentlich nur religiöse Symbolik und Sprache initiieren und ausdrücken kann. Seit vielen Jahrzehnten ist das Schlachten (bis auf das Ausnahmeschlachten durch einen hoffremden Profi zu einer gewissen Jahreszeit und zum Eigenverzehr) von den Höfen abgegeben worden. Viele landwirtschaftliche Familien sind daher, was die Schlachtung angeht, ebenso „entfremdet“ wie die Gesellschaft insgesamt. Massenkeulungen treffen sie daher völlig unvorbereitet. Der Seelsorger kann helfen, die gewohnten Abschiedsrituale, die vollzogen werden, wenn ein Tier zum Schlachten abgegeben wird, aufzuspüren und zu vollziehen. Ein Gebet oder ein liturgischer Rahmen kann ein Ruhepunkt im Chaos sein. Das Ritual des Abschieds ist aber nicht schon die ganze Seelsorge.

Genauso wichtig ist das seelsorgliche Gespräch, in dem sich das Erlebte in der Regel selbst thematisiert. Aktives Zuhören ist auch hier die beste Seelsorge. Am Tag nach der Keulung kann es wichtig sein, die Orte auf dem Hof, die sich mit dem Schrecken des Geschehens verbinden, gemeinsam mit dem Betroffenen abzugehen. Es ist für ihn wichtig, zu sehen, was er redet. Das Gesprächsangebot sollte sich immer an der ganzen bäuerlichen Familie orientieren. Frauen gehen dabei oft schnell aus sich heraus, wohingegen Männer sehr lange brauchen, um auf sich und ihr Erleben zu sprechen zu kommen. Kinder werden leider oft vergessen. In ihrem Verhalten spiegelt sich die Belastung der Eltern. Vaterbilder (der Allesretter) kommen ins Wanken. In der Schule sind sie Zielscheibe ihrer Mitschüler.

Für Seelsorgerinnen und Seelsorger kann es hilfreich sein, sich zuvor mit einigen scheinbar einfachen Fragen, welche die Keulung mit sich bringen kann, auseinander zu setzen: Erleben die Tiere die Massenkeulung bewusst? Haben Tiere ein Seele? Kommen die gekeulten Tiere jetzt in den Himmel? Welchen liturgischen Worte und Formen passen für das Ende eines Tieres? Wäre ich als Seelsorger bereit der Bitte nachzukommen, einen neuen Tierbestand zu segnen? Will ich mich über das seelsorgliche Gespräch hinaus solidarisieren (z.B. Predigt oder Fürsprache bei der Bank)? Will ich in den Medien Stellung zum Geschehen nehmen? Ein Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen kann sinnvoll sein, um sich auf solche Fragen vorzubereiten.

Insgesamt ist jedoch festzuhalten, dass die Hilfsmöglichkeiten nach dem Potential der Beteiligten so unterschiedlich sind, dass es keine allgemeingültigen Tipps gibt. Ein wiederholtes Gespräch mit der Familie ist einem Trauernachgespräch vergleichbar. Hilfenetze Betroffener untereinander und ihre Begleitung können dazu beitragen, die Betroffenen aus der sozialen Isolation herauszuführen. Gemeinden können helfen, Kontakte zu knüpfen und Kompetenzen ehemaliger Betroffener zu nutzen.

Über die Entstehung, Verbreitung, Erscheinungsformen und Auswirkung der Seuche, in deren Fall das Angebot einer seelsorglichen Begleitung gemacht werden soll, sollte man sich zuvor dringend informieren. Wichtige Informationen sind z.B. Hinweise über mögliche Ansteckungsgefahren für den Menschen und Zugangsberechtigungen auf das Seuchengehöft während möglicher Sperrzeiten. Stets aktuelle Informationen findet man auf der Homepage der zuständigen Kreisveterinärämter und des Landestierseuchenkontrollzentrum (LaTiKo) im LANUV NRW.

Anlass und Hintergrund der Handreichung.

Die Vieh haltende Landwirtschaft ist auch in Zukunft nicht vor neuen Seuchen geschützt. Hauptbedrohung ist zurzeit die Afrikanische Schweinepest, gegen die es aktuell auch keinen Impfstoff gibt. Latent lauert aber auch die Gefahr der Maul- und Klauenseuche (MKS) sowie der Geflügelpest. Bei den genannten Seuchen sind derzeit Bestandskeulungen gesetzlich vorgeschrieben. Betroffene werden also das zuvor beschriebene Szenario erleben und seelsorgliche Begleitung benötigen.

Das Töten von Tieren unterliegt jedoch aus unserer Sicht strengen, schöpfungstheologisch begründeten Grenzen des ethisch Vertretbaren. Diese Grenzen werden in der EU-Seuchenpolitik unserer Meinung nach immer noch überschritten, z.B wenn es Alternativen wie die Impfung gibt. Wo es diese Alternativen zur Keulung gibt, sind diese anzuwenden.

Den Einsatz für seelsorgerliche Hilfestellung im Krisenfall sollen diese Feststellungen jedoch nicht beeinträchtigen. Diese ist Dienst am Menschen. Denn im konkreten Fall sind der Landwirt und seine ganze Familie dem Geschehen weitgehend hilflos ausgeliefert.

Ausblick

Ergänzende und konkretisierende Fortbildungsangebote für Seelsorgerinnen und Seelsorger in landwirtschaftlich strukturierten Gemeinden sind von den Landvolkhochschulen und den ländlichen Verbänden der evangelischen und katholischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen jederzeit realisierbar. In Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern, den Kreisveterinärämtern sowie erfahrenen Seelsorgerinnen und Seelsorger können diese vorbereitet und durchgeführt werden.

Kurzfristig ist ein Anruf bei ihrem zuständigen Veterinäramt, das in der jeweiligen Kreisverwaltung zu finden ist, sicher die erste Wahl.

Für Rückfragen oder Hilfe bei akuten Seuchenfällen können Sie uns jederzeit anrufen. Wir nennen Ihnen Ansprechpartner vor Ort oder helfen Ihnen nach unseren Möglichkeiten bei der Begleitung der betroffenen Familien. Unsere Telefonnummern:

  • Ulrich Oskamp: T.0251-53913-23, KLB Bistum Münster
  • Volker Rotthauwe T.02304 755336 , Institut für Kirche und Gesellschaft der EKvW

Loccumer Apell zur Verpachtung von Kirchenland | (2016)

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Herausgeber:

Ergebnis der Tagung „Kirchenland im Spannungsfeld sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Interessen“ an der Ev. Akademie Loccum vom 02. bis 04. September 2016

Veranstalter der Tagung:

  • Dr. habil. Monika C. M. Müller, Ev. Akademie Loccum
  • Dr. Norbert Wiersbinski, Bundesamt für Naturschutz
  • Ulrich Ketelhodt, Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt, Nordkirche
  • Thomas Beil, Succow Stiftung
  • Ulrich Oskamp, Katholische Landvolkbewegung

Loccumer Appell zur Verpachtung von Kirchenland

  1. Kirchen sollten sich der Bedeutung und des Wertes ihres Bodens bewusst sein.
  2. Kirchen und Kirchengemeinden müssen sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein und Verantwortung für ihr Land übernehmen.
  3. Kirchengemeinden sollten bei der Verpachtung ökonomische, ökologische und soziale Aspekte berücksichtigen (Nachhaltigkeit).
  4. Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen sind aufgefordert, sich für die Bewahrung der Schöpfung aktiv einzusetzen, z. B. für Biodiversität, Luft, Wasser, Boden.
  5. Die Leitlinien für Verpachtungen liefern die Landeskirchen, die konkrete Ausgestaltung der Vergabekriterien sollte auf regionaler und lokaler Ebene erfolgen.
  6. Kirchengemeinden sollten die Vergabe des Kirchenlandes transparent gestalten.
  7. Kirchengemeinden sind aufgefordert, als Verpächter diese Ziele in einem wertschätzenden Dialog mit Pächtern von Kirchenland umzusetzen.
  8. Kirchengemeinden sollten offen sein für einen Dialog mit unterschiedlichen Interessengruppen.
  9. Die Kirchengemeinden sollten dabei ihre Unabhängigkeit gegenüber Dritten wahren.
  10. Menschen in den Kirchengemeinden sollten befähigt werden, ihre Verantwortung wahrnehmen zu können.

Per Akklamation vom Plenum am Ende der Tagung verabschiedet.

Ein starkes Stück Kirche | Kath. Erwachsenenverbände im Bistum Münster (2016)

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Herausgeber:

Die Katholischen Erwachsenenverbände im Bistum Münster:

  • Familienbund der Katholiken im Bistum Münster
  • Junge Gemeinschaft - Der Familienverband im Bistum Münster
  • Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) - Diözesanverband Münster
  • Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands - Diözesanverband Münster
  • Katholische Landfrauenbewegung in der KFD - Diözesanverband Münster
  • Katholische Landvolkbewegung im Bistum Münster
  • Katholischer Deutscher Frauenbund - Diözesanverband Münster
  • KKV - Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung - Diözeesanverband Münster
  • Kolpingwerk - Diözesanverband Münster

Einleitung

Der Katholikentag 2018 im Bistum Münster steht vor der Tür – dieses Ereignis nehmen wir, die katholischen Erwachsenenverbände im Bistum Mün- ster, zum Anlass, uns zu positionieren: Wo stehen wir? Was ist unser Auftrag? Wohin wollen wir? Die katholischen Erwachsenenverbände haben Anteil an der Sendung der Kirche. Das II. Vatikanum hat die Sendung der Kirche im Volk Gottes verortet und den katholischen Erwachsenenverbänden damit einen pastoralen Auftrag gegeben. Ausgangspunkt sind die vielfältigen Umbrüche in der Verbandslandschaft, die sich in den letzten Jahren vollzogen haben und deren Ende noch nicht absehbar ist. Sie stellen große Herausforderungen für die verbandliche Arbeit dar. Adressaten dieser Positionierung sind die Verantwortlichen für die Pastoral in den Gemeinden, in den Verbänden und in der Bistumsleitung.

So sind wir

Wir sind Teil der Kirche.

Wir, die katholischen Erwachsenenverbände, gestalten unser Engagement aus unserem christlichen Glauben heraus. Wir sind Teil der Kirche mit eigenem Auftrag und eigenem Selbstverständnis. Wir gehen von der Lebenswirklichkeit der Menschen aus und übersetzen – je nach Profil des Verbandes – das Evangelium in den Alltag der Menschen. Unsere Überzeugung lautet: Starke Verbände machen die Kirche stark. Mit unseren Möglichkeiten tragen wir dazu bei, dass die Kirche lebendig bleibt und sich weiterentwickelt.

Wir sind ein Modell für pastorale Arbeit.

Die katholischen Erwachsenenverbände sind ein Modell für pastorale Arbeit. Unsere grundlgenden Prinzipien sind Christlicher Glaube und Lebensweltbezug, Demokratie, Partizipation, Selbstorganisation, Freiwilligkeit und Ehren- amtlichkeit.1 Geistliche Leitung durch Laien und das allgemeine Priestertum werden bei uns selbstverständlich gelebt. Die katholischen Erwachsenenverbände ver- stehen sich als kategoriale Gemeinden – mit allen Funktionen, die eine territoriale Gemeinde kennzeichnet: diakonia, liturgia, martyria, koinonia. Wir sind in Pfarreien verortet. Wir leben eine synodale Struktur: Die Leitung liegt nicht bei Einzelpersonen, sondern bei auf Zeit gewählten Gremien. Erfahrungen aus dem permanenten Reflexionsprozess unserer Organisationsformen geben wir als Impulse an die Gesamtkirche weiter.

Unsere Spiritualität ist einzigartig.

Für viele Menschen sind die katholischen Erwachsenenverbände zu einer geistlichen Hei- mat geworden: Jeden Verband kennzeichnet eine eigene Spiritualität, die unterschiedlich ausgeprägt und akzentuiert ist. Immer aber ist sie: einzigartig. Diese Spiritualität ermöglicht unverwechselbare Glaubenser- fahrungen. Wir setzen damit Akzente in Kirche und Gesellschaft.

Wir ermöglichen Beheimatung.

Die katholischen Erwachsenenverbände orientieren sich an den Charismen ihrer Mitglieder und bieten ihnen Möglichkeiten, sich ihren Fähigkeiten entsprechend einzubringen. Das schafft Identität – und Beheimatung. Wir sind gemeinsam unterwegs und doch anders. Jeder Verband hat eine eigene Zielgruppe, die besonders angesprochen werden will. Viele Menschen erleben „ihren“ Verband als einen von wenigen, manchmal einzigen Ort, an dem sie sich (noch) mit der Kirche identifizieren können. „Wenn es euch nicht mehr gäbe, wäre ich nicht mehr dabei“ ist eine Aussage, die wir in dieser oder ähnlicher Form häufig hören. Sie bezieht sich sowohl auf eine menschliche als auch inhaltliche Beheimatung.

Wir beziehen Stellung.

Ein wesentliches Merkmal der katholischen Erwachsenenverbände ist: Wir sind politisch. Wir sehen uns als Brücke, die Kirche und Gesellschaft verbindet. Aus unserer christlichen Grundüberzeugung heraus beziehen wir Stellung zu den brennenden Themen der Zeit – oft in pointierter und prägnanter Form. Unser politisches Engagement ist konstitutiv für unser Verbandsverständnis und Ausdruck unseres spezifischen Apostolats. Die katholische Soziallehre, insbesondere das Solidaritäts- und das Subsidiaritätsprinzip, ist dabei für uns leitend. Dabei setzen wir uns für viele Betroffene ein, nicht nur für unsere Mitglieder.

So sehen wir unsere Zukunft

Wir bleiben uns treu.

Unsere Gesellschaft wandelt sich und die katholischen Erwachsenenverbände stellen sich diesen gesellschaftlichen Veränderungsprozessen. Wir probieren vieles aus, weil wir immer vor der Aufgabe stehen, unser Handeln und unsere Strukturen zu hinterfragen. Wir verharren nicht in überkommenen Traditionen und verlieren den Kontakt zu den Herausforderungen der Gegenwart nicht. Wir behalten aber unseren je eigenen Kern, der uns ausmacht: Christlicher Glaube und Lebensweltbezug, Partizipation, Selbstorganisation und Demokratie, Freiwilligkeit und Ehrenamtlichkeit!

Wir leben Vielfalt.

Der Beitrag der katholischen Erwachsenenverbände zum Sendungsauftrag der Kirche besteht einerseits in ihrem engen Kontakt zu den Lebenswirklichkeiten in unserer Gesellschaft und andererseits in der Chance, diese in den innerkirchlichen Raum einzubringen. Bei uns können sich Menschen freiwillig engagieren, ihre Meinung einbringen und mitbestimmen. Und mit dieser Dynamik, mit diesem Potential bereichern wir unsere Kirche. Die katholischen Erwachsenenverbände leben eine je eigene Spiritualität, aber gemeinsam ist ihnen, Menschen in der Gestaltung ihrer Gottesbeziehung zu unterstützen. Bei uns haben auch Nichtglaubende und Zweifelnde Raum.

Wir entwickeln neue Formen.

Wir erleben, dass Menschen von unseren An- liegen begeistert sind, sich aber auch schwer tun, Verbandsmitgliedschaften einzugehen. Engagement gestaltet sich gerade bei jüngeren Menschen anders. Aus diesen und anderen Gründen sinkt bei einigen Verbänden die Mitgliederzahl. Wir stellen uns deshalb immer wieder neu den Zeichen der Zeit, lassen uns auf die sich verändernde Gegenwart ein, stellen uns neuen Fragen und nehmen Kurskorrekturen vor, wo diese notwendig sind. Wir interpretieren unseren Gründungsauftag immer wieder neu und suchen kreativ Wege, wenn es um neue Formen der Mitgliedschaft und wenn es um Kooperationen zwischen den Erwachsenenverbänden geht. Wir sind nah an den Bedürfnissen unserer Mitglieder und gestalten die Entwicklungen. Wir, die katho- lischen Erwachsenenverbände, sind offen für Veränderungen.

Wir brauchen stabile Rahmenbedingungen.

Wir sind von der Wichtigkeit verbandlicher Arbeit überzeugt. Die verbandliche Arbeit ist ein eigenes Standbein der Pastoral und beruft sich auf eine lange Tradition und starke Position im Bistum Münster. Die katholischen Erwachsenenverbände wünschen sich von den Verantwortlichen des Bistums neben einer zuverlässigen finanziellen Unterstützung vor allem eine wohlwollende ideelle Begleitung unserer Entwicklung. Dazu gehört neben anderem die Verankerung der Vorstellung verbandlicher Arbeit in den pastoralen Ausbildungsberufen, die Berücksichtigung der Verbände bei derÜberarbeitung des Pastoralplanes auch auf Pfarreiebene und ihre enge Einbindung in die Vorbereitungen zum Katholikentag 2018.

Resümee und Ausblick

Wir, die katholischen Erwachsenenverbände, haben die Herausforderung angenommen, uns zukunftsfähig zu machen. Dabei handelt es sich nicht um einen Prozess, der linear verläuft, sondern der Höhen und Tiefen und auch Redundanzen enthält. Dennoch sind wir zuversichtlich: Wurden wir – in der Regel – gegründet in einer Epoche des Wandels und gesellschaftlichen Umbruchs, so erleben wir beides heute wieder. Mit unseren Ressourcen, unseren geistigen und geistlichen Wurzeln fühlen wir uns jedoch in der Lage, diese Her- ausforderungen zu gestalten. Über jedwede Unterstützung freuen wir uns.

Ethik in der Nutztierhaltung | Ländliche Verbände und Landvolkshochschulen im Bistum Münster (2012)

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Herausgeber:

  • Katholische Landvolkbewegung im Bistum Münster
  • Katholische Landjugendbewegung im Bistum Münster e.V.
  • Katholische Landfrauenbewegung im Bistum Münster
  • Bildungszentrum Wasserburg Rinder
  • Katholische Landvolkshochschule Schorlemer Alst Freckenhorst

Ethik in der Nutztierhaltung

Tierhaltung und besonders die Nutztierhaltung in der Landwirtschaft gerät immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Die Vorstellungen darüber, was artgerechte Tierhaltung eigentlich ist, werden dabei zunehmend kontrovers diskutiert. Bei Forengesprächen in der Landvolkshochschule Freckenhorst im letzten Winter haben wir einzelne Aspekte über den Umgang mit Tieren im Allgemeinen und mit landwirtschaftlichen Nutztieren im Besonderen in den Blick genommen. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Mitgliedern des Runden Tisches Landpastoral der Katholischen Landvolkbewegung (KLB), Katholischen Landjugendbewegung (KLJB), Katholischen Landfrauenbewegung (KLFB), der Landvolkshochschulen und interessierten Teilnehmern der Foren haben versucht, aus dem Gehörten ethische Kriterien für eine artgerechte Nutztierhaltung zu formulieren.

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Stellungnahme zu den Reaktionen auf den Dioxinskandal | KLB Münster (2011)

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Herausgeber:

Katholische Landvolkbewegung (KLB) im Bistum Münster


Bauern und Bäuerinnen sind die Leidtragenden.

Stellungnahme der KLB im Bistum Münster zu den Reaktionen auf den Dioxinskandal.

Eines vorweg, der kriminelle Akt der Fettlieferfirma (Harles & Jentsch) ist auf das Schärfste zu verurteilen und mit harten Strafen zu ahnden. Auch waren oder sind die Futtermittelfirmen, die die Fette gutgläubig gekauft haben, um eine bittere Erfahrung reicher und müssen in der Konsequenz nun mit regelmäßigen staatlichen Kontrollen leben. Das ist eine richtige Maßnahme, die hoffentlich die notwendige Sicherheit gibt.

Den wirtschaftlichen Schaden jedoch tragen fast alle Bauern durch massive Preissenkungen und einen enormen Imageschaden in der Bevölkerung. Es war der Startschuss für eine öffentliche Debatte zu grundsätzlichen Fragen über die Ausrichtung der Landwirtschaft, die nur wenig mit dem Dioxinskandal zu tun haben.

Bei näherem Betrachten der Dioxinproblematik trifft man schnell auf sehr komplexe Zusammenhänge. Die Dioxinbelastung der Menschen erfolgt durch vielfältige diffuse Quellen und ist ein Problem, mit dem wir nicht nur bei Nahrungsmitteln zu kämpfen haben. Zur Kontrolle der Belastung mit Dioxin wurden Grenzwerte festgelegt, die sich an nicht vermeidbaren Konzentrationen orientieren. Die Gefahr der Kontamination scheint groß. Selbst die Bio-Branche war betroffen. Im Mai 2010 wurde eine belastete Biomaischarge aus der Ukraine an deutsche Biohühner verfüttert. Hier wurde sachlich argumentiert und schnell reagiert. Die Aufregung hielt sich in Grenzen. Trotzdem wird der aktuelle Dioxinskandal zum Anlass genommen, einen ganzen Berufsstand in Sippenhaft zu nehmen und die moderne, arbeitsteilige konventionelle

Landwirtschaft grundsätzlich zu hinterfragen. Die Wirksamkeit schärferer staatlicher Kontrollen wird schon von vornherein in Zweifel gezogen, Bauern pauschal als Massentierhalter bezeichnet und ihnen Gewissen und Verantwortung im Umgang mit ihren Tieren abgesprochen. Selbst der namhafte Theologe und Wissenschaftler Prof. Ulrich Lüke wird in einer KNA-Mitteilung zitiert, er rufe zu einem gesunden Misstrauen gegen renditeorientierte Viehhaltung auf und bezeichne die Deutschen als „Volk von Fleischfressern“. Solche ungenaue, ja ungenügende Bereichterstattung wird sowohl dem Inhalt seines Interviews nicht gerecht, noch trägt es zur Klärung der Problematik bei.

Sicherlich gibt es aktuell Entwicklungen in der Tierhaltung deren Größenordnungen kritisch zu hinterfragen sind. Die Grenzen des Wachstums einiger Betriebe sind erreicht, ja sogar überschritten und es mangelt an wirksamen Regeln, diese Entwicklungen zu kontrollieren. Die aber sind dringend geboten, um die Existenz der vielen selbständigen, bäuerlich wirtschaftenden Familienunternehmen zu sichern. Über 70% des Einkommens der deutschen Bauern und Bäuerinnen stammt nämlich aus der Viehhaltung. Im Münsterland und am Niederrhein haben die Betriebe wegen der geringen Flächenausstattung schon immer Tiere geh lten, um ein Auskommen mit dem Einkommen zu haben. Hier ist eine hohe fachliche Kompetenz im Umgang mit Tieren vorhanden. Das gilt auch für die vor- und nachgelagerten Firmen, die bei uns einen wichtigen Wirtschaftsfaktor darstellen. Jeder achte Arbeitsplatz ist hierzulande in diesen Bereichen angesiedelt. Leider hat sich der Strukturwandel in der Wirtschaftskrise der letzten Jahre beschleunigt. 5% Betriebsaufgaben jährlich sind sehr besorgniserregend und werden zu einer ernsten sozialen Frage in den Dörfern. Neu hinzugekommen ist der Wettbewerb um Flächen zur Bioenergieproduktion, der vielen Viehhaltenden Betrieben zur ernsthaften Konkurrenz geworden ist.

Unsere Frage lautet: „Wie können wir mit diesen Entwicklungen nicht nur jetzt, sondern künftig umgehen?“ Über die Analyse hinaus gilt es, strategische Entscheidungen zu treffen, um mit entspr chenden Konzepten ökonomische, ökologische und soziale Perspektiven für die Landwirtschaft aufzuzeigen. Die Weichen hierfür müssen auch politisch estellt werden. Klimawandel, Biodiversität und internationaler Agrarhandel mit Blick auf die Sicherung der Welternährung bedürfen unserer Meinung nach schnell wirksamer internationaler Regeln. Regeln, die diesen multifunktionalen Charakter der Landwirtschaft nachhaltig sicherstellen.

Angesagt sind eine Versachlichung der Diskussion und ein gemeinsames Ringen um die zukünftige Ausrichtung der Landwirtschaft. Die KLB ist gerne bereit, daran mitzuarbeiten genauso wie alle Bauern und Bäuerinnen im Bistum Münster, die ihre Betriebe als selbständige Familienbetriebe weiterführen wollen. Sinn macht dies jedoch nur, wenn Ursache und Wirkung in die richtigen Zusammenhänge gestellt werden. Dazu gehört auch die Bereitschaft, sich mit den Errungenschaften moderner Technik auseinanderzusetzen und die Vorteile moderner Ställe für die Tiere, wie z.B. Laufstall- und Gruppenhaltung, zu sehen und anzuerkennen. Die Tiergesundheit ist den Ställen durch computergesteuerte ausgewogene Fütterung gestiegen und das Stallklima wesentlich besser als in vielen alten Haltungsformen. Tierschutzdiskussionen sind wichtig und Bauern sind bereit, neue Erkenntnisse in diesen Bereichen umzusetzen und ihre aktuellen Standards für eine tiergerechte Nutztierhaltung zu hinterfragen. Arbeitsteilige Landwirtschaft gehört dabei zum Alltag im 21sten Jahrhundert. Aus Sicht der KLB ist dieses bäuerliches Wirtschaften und keine indu trielle Tierhaltung.

Die Herausforderungen, die wir gemeinsam zu bewältigen haben sind groß: Ernährungs- und Energiesicherung bei steigender Weltbevölkerung und Verlangsamung des Klimawandels. Der Landwirtschaft kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Zu Recht gehört das kritische Hinterfragen unseres Ernährungsverhaltens dazu. Im Weltmaßstab heißt das auch, über den Fleischverzehr nachzudenken und unsere wertvollen Ackerböden zu schützen und effizient zu nutzen. Bauern und Bäuerinnen stellen sich diesen Herausforderungen und passen sich gerne an. Jedoch mit Weisheiten der Vergangenheit zu argum ntieren, von Butterbergen und Milchseen zu reden, die es schon lange nicht mehr gibt und mit nur noch punktuell erfolgende Exportsubventionen zu benennen, tragen nicht zu einer Versachlichung bei. Prof. Dr. Lüke aus Aachen unterstützt die Forderung einer Umweltenzyklika der katholischen Kirche. Auch die KLB begrüßt eine Enzyklika zu dieser komplexen Thematik, wenn sie die tatsächlichen Ursache- und Wirkungszusammenhänge beleuchtet. „Das könnte uns einen Schritt weiterhelfen!“ so die KLB in ihrer Stellungnahme.

Positionspapier Landwirtschaft | KLB Deutschland (2011)

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Herausgeber:

Katholische Landvolkbewegung (KLB) Deutschland


Zusammenfassung:

Voraussetzung für alle unsere Ziele ist die ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit. Grundlage für die Umsetzung dieser Ziele sind lokal und regional verantwortete Entscheidungsprozesse. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die die Entscheidungs- und Handlungsfreiheit der Menschen vor Ort ermöglichen. Dazu gehört der freie Zugang zu Boden, Wasser, Saatgut, Produktionsmitteln sowie Bildung, Wissen und unabhängiger Forschung. Bildung ist dabei der Schlüssel zu eigenverantwortlichem Handeln und beugt der Benachteiligung von Menschen in ländlichen Räumen vor. Alle diese Ziele werden in ihrer Abhängigkeit voneinander und ihrer Komplexität am besten durch eine bäuerliche Landwirtschaft gefördert. Die Stärkung genossenschaftlicher und anderer regionaler Strukturen wird ausdrücklich gewünscht.

Hier gibt es das gesamte leitbild zum Download

Ansprechpartner für diesen Beitrag

Ulrich Oskamp

KLB-Diözesanreferent

Telefon: 0251/53913-23
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Franziska Wiesmann

Sekretariat/Verwaltung

Telefon: 0251/53913-12
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