Seelsorgliche Begleitung von betroffenen Landwirten im Tierseuchenfall

Aktueller Anlass: Erster Fall der Afrikanischen Schweinepest bekannt

09.09.2020

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Handreichung für Seelsorgerinnen und Seelsorger


Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die Afrikanische Schweinepest (ASP) in Deutschland ankommt und unsere Schweine befällt. Wildschweine verbreiten diese Krankheit aktuell vor allem in Osteuropa. Fälle in Tschechien und Westpolen werden immer häufiger. Ein Seuchenausbruch in Ballungszentren der Schweinehaltung wie dem Münsterland, dem Emsland oder in Südoldenburg hätte verheerende Folgen für die Bauernfamilien.
In den letzten Jahren waren nur punktuell Betriebe z.B. wegen der Geflügelpest betroffen. Tierseuchenfälle wie die Schweinepest liegen Gotts sei Dank schon mehr als 10 Jahre zurück.
Die Erfahrungen aus diesen Tierseuchenzügen in Deutschland (Schweinepest) und sowie mit MKS und BSE haben einen Eindruck von der schwerwiegenden Krise und der seelischen Not vermittelt, welche betroffene Landwirtsfamilien in einem solchen Fall erleben. Seelsorgerinnen und Seelsorger sind zur Begleitung der Landwirte herausgefordert. Spezialistinnen und Spezialisten für den Tierseuchenfall gibt es meistens nicht. Daher möchte die vorliegende Handreichung einige Basisinformationen zu der Situation vermitteln, in die sich Seelsorgende in einem solchen Fall begeben. Vieles ähnelt dabei sicherlich der Begleitung eines Trauerfalles oder eines anderen traumatischen Erlebnisses.


I.Welchen Ablauf hat die Keulung (Tierbestandstötung) eines Hofes und wie werden die Phasen von den Betroffenen erlebt?
Von einem Tierseuchenfall betroffene Landwirtsfamilien erleben die „Keulung ihres Hofes“. Landwirte sprechen meist nicht von der Keulung ihrer Tiere oder ihres Bestandes, sondern eben von der Keulung ihres Betriebes, denn der ganze Hof wird davon in Mitleidenschaft gezogen. Zum einen wird erlebt, wie Tiere massenhaft und, so wird es empfunden, sinnlos getötet werden und dadurch die Beziehung zwischen Mensch und Tier schmerzhaft beendet wird. Zum anderen hat die Keulung betriebswirtschaftliche Konsequenzen, die im schlimmsten Fall den Bestand des Betriebes existentiell gefährden können. Man kann sich zwar versichern. Aktuell lehnen bei der Afrikanischen Schweinpest viele Versicherer sogar Neuabschlüsse ab.

Zunächst steht der Verdacht im Raum, eines oder mehrere Tiere könnten von einer Tierseuche oder Krankheit betroffen sein, bei deren Vorliegen eine Keulung gesetzlich vorgeschrieben ist. Unbestimmte Ängste vor der Keulung des Betriebes und ein Gefühl von Autonomieverlust bestimmen das Erleben der Betroffenen. Es gibt nichts, was sie tun können, um sich aus dieser Situation aus eigener Kraft zu befreien. Die Ängste können sich bereits jetzt verdichten, zu Fluchtphantasien führen oder sich mit anderen ungelösten Problemen vermischen. Die seelische Not der Betroffenen beginnt bereits in dieser Phase.


Bestätigt sich der Verdacht, kommt – meist kurz danach - ein Keulungsteam auf den Hof. Für die Keulung der Tiere ist der Kreisveterinär verantwortlich. Das Team, das ihn begleitet, wird oft erst in der akuten Situation zusammengestellt. In Regionen, in denen es eine Notfallseelsorge gibt, wird diese informiert und kann ebenfalls vor Ort sein. Die Szenerie erinnert an einen Science-Fiction-Film: Die Mitglieder des Keulungsteams tragen Schutzanzüge, das Töten der Tiere erfolgt mithilfe kalter Technik, gegebenenfalls wird ein Sperrbezirk errichtet. Auf dem Hof bricht Hektik aus. Die Landwirtsfamilie muss die Massentötung ihrer Tiere mitansehen und dabei vielleicht dem Keulungsteam in der einen oder anderen Weise zur Hand gehen. Sie erlebt sich als Opfer, empfindet ohnmächtige Wut, die sich oft gegen den Kreisveterinär als Vertreter der Obrigkeit richtet. Die Tötung der Tiere wird als entsetzlich und grausam empfunden. Im Moment des Verlustes tritt die emotionale Bindung an das Nutztier vor den Sachbezug, der das Mensch-Tier-Verhältnis in der Landwirtschaft mitprägt. So berichtet ein Landwirt, dessen Hof von der Schweinepest betroffen war, nach Jahren: „Es ist sagenhaft – es ist ja schließlich nur Vieh. […] Aber es ist wirklich komisch, dass man so etwas so schwer nimmt. Ja gut, - es war nicht bloß Arbeit, sondern es sind eben Tiere.“ (Hero H.) Zum Teil wird der Verlust wie ein Trauerfall in der Familie empfunden.

Fast jeder Landwirt hat seinen Ritus, von einzelnen Tieren, die zu gegebener Zeit geschlachtet werden, Abschied zu nehmen. Beim Erleben der Keulung versagen diese Riten zum Teil aus unterschiedlichen Gründen. Durch den schnellen Ablauf des Geschehens bleibt im Vorfeld der Keulung wenig Zeit. Hat die Keulung stattgefunden, kann die Trauer oft nicht ausgelebt werden (Grabverlust). So bleibt der Prozess über lange Zeiträume unabgeschlossen und begleitet jede neue Krisis.


Ist die Keulung abgeschlossen, muss der Landwirt zur Seuchenbekämpfung die Reinigung und Desinfizierung des Betriebes vornehmen. Diese Reinigung ist eine Entfremdung und selbst das Ausmisten wird zum Ritual. Dabei wird die Sinnlosigkeit und Absurdität des Geschehens der Keulung oft nochmals erlebt. Viele Landwirtsfamilien empfinden diese Arbeit als Zwangsarbeit: „Also das muss man mal gesehen haben, wie sauber man die Ställe ausspritzen muss. Was das für eine dämliche Arbeit ist. Das ist ganz furchtbar! Wir hatten nichts, und wir mussten es trotzdem machen. (Marie H.)“ So berichtete eine Landwirtin, deren Bestand aufgrund der Schweinepest gekeult wurde. Zum Teil wird das Tötungsgeschehen noch abgewehrt und verleugnet, es setzt aber langsam ein längerer Prozess der Verlust- und Trauerarbeit ein, dabei werden verschiedene Trauerphasen durchlebt, zum Teil aber nicht beendet.


Nach der Keulung und Reinigung setzt die lange Phase des leeren Stalles ein. Der leere Stall konfrontiert die Betroffenen immer wieder mit der Realität und ist auch ein Symbol für die Zukunftsangst, die mit der Tierseuche verbunden ist. Die Zeitstrukturen und Lebensrhythmen, durch welche die Landwirtschaft geprägt ist (Melk- und Fütterungszeiten, Hofpräsens) brechen zusammen. Die Landwirtsfamilie verliert ihre Identität. Man hat das Gefühl ohne Tiere kein Bauer mehr zu sein. Es gibt einen Überschuss an Freizeit, den man bei gleichzeitigen finanziellen Engpässen nicht zu nutzen weiß. Viele fürchten sich vor sozialen Kontakten, davor Rechenschaft geben zu müssen und fühlen sich schuldig. Viele empfinden, verursacht durch verdeckte und offene Schuldzuweisungen durch das kollegiale Umfeld, eine soziale Isolation. Die Dorfgemeinschaft distanziert sich von dem, der die Seuche ins Dorf gebracht hat. Solche Schuldzuweisungen kommen auch im Verhältnis der Generationen auf dem Hof vor, indem man sich gegenseitig die Kompetenz abspricht. Die Keulung führt außerdem zu wirtschaftlichen Verlusten. Man macht die Erfahrung, bei Banken und Zulieferern betteln zu müssen. Zahlungen der Tierseuchenkasse sind meist nicht sofort zu erwarten. Es kommt zu Liquiditätsengpässen. Aber auch nachdem wieder aufgestallt wurde, dauert es in Zuchtbetrieben oft Jahre bis z.B. der zuvor durch sorgfältige Zucht erarbeitete Standard wieder erreicht wird. Besonders erschwert wird die Verarbeitung, wenn der Tierseuchenzug in der Region anhält oder der Betrieb schon einmal von einer Tierseuche betroffen war.


II. Welche Belastungssymptome treten auf und worin liegen ihre Ursachen?
Landwirte, die eine Keulung erlebt haben, berichten zum Teil von Reaktionen, die als posttraumatische Belastungssymptome eingeordnet werden können: Sie sind reizbar, übererregt, leiden unter Schlaflosigkeit und körperlicher Ermattung. Sie ziehen sich in sich zurück, verlassen den Hof nicht mehr, halten nicht mehr an, um zu klönen oder gehen in einem anderen Dorf oder einer anderen Stadt einkaufen. Sie verlieren auch das Interesse an ihrer Familie oder fühlen sich ihr entfremdet. Diese Schwierigkeiten können einen Monat und länger anhalten. Andere haben Alpträume und Angstanfälle, in denen sie die Keulung des Betriebes nochmals erleben. Oft versuchen Betroffene auch plötzlich mit anderen unfertigen Problemen schwächerer Natur aufzuräumen (z. B. Familienstress) – was natürlich nicht gelingen kann.


Mit Tierseuchen geht, wie der MKS-Seuchenzug in Großbritannien gezeigt hat, eine hohe Suizidgefahr einher. Ein Selbstmordversuch oder der Gedanke daran kann als Hilfeschrei, in der Hoffnung rechtzeitig gefunden zu werden, oder als letzter „logischer“ Ausweg empfunden werden.


Diese Reaktionen werden durch verschiedene Dimensionen des Geschehens hervorgerufen. Durch die Anordnung der Staatsobrigkeit, seine Tiere (sinnlos) zu töten und durch die Auflösung der gewohnten Zeitstrukturen erlebt der Landwirt einen Verlust seiner „bäuerlichen“ Autonomie sowie seines berufsethischen Halts. Er fühlt sich in seiner traditionellen Selbstbestimmung entmündigt. Das Seuchengeschehen selber ereignet sich willkürlich. Man erlebt sich als Opfer einer höheren Macht, des Schicksals, das aus eigener Kraft nicht abzuwenden ist. Die Sicherheitsideologien sowie der Glaube an einen tiermedizinischen Fortschritt, der die Seuche besiegt hat, zerbrechen. Diese Erfahrung wird sowohl durch die staatlichen Anordnungen als auch durch die politische Ausschlachtung der Ereignisse in den Massenmedien verstärkt. Auch diese werden nämlich als Willkür erlebt. Sie potenzieren das Gefühl der Hilflosigkeit. Man wird Opfer einer veralteten Rechtslage, einer praxisfremden Forschung, einer unzureichenden Notfallvorsorge.

Als Unternehmer lebt der Landwirt außerdem von seinem Ruf. Er ist kreditwürdig, ein würdiger Handelspartner, der gute Bauer um die Ecke. Die Tierseuche bewirkt die Zerstörung dieses Rufs. Dadurch wird die durch sie verursachte Unbestimmtheit der Zukunft noch verstärkt. Zukunftsängste werden außerdem durch das Wissen vergrößert, dass Tierseuchenkasse und Versicherung bei einer zweiten Welle nichts mehr zahlen.


Nicht zu unterschätzen ist auch der Eindruck der Desolidarisierung in der Gesellschaft durch die Diskussion über die zukünftige Ausrichtung der Nutztierhaltung und über Tierwohlstandards. Eine betroffene Landwirtin berichtet: „Ich bin einkaufen – da höre ich wie einer sagte: ‚Ach heute steht ja in der Zeitung, jetzt ist ja diese Pest vorbei. Es ist ja nun alles wieder freigegeben. Dann hört die Quakerei der Bauern ja wohl auf.‘ Da habe ich mich umgedreht und gesagt: ‚Ja, wir drücken morgen auf den Knopf und dann quiekt es in allen Ställen wieder.‘ Also, ich war fertig, ich bin es heute noch.“ (Anne A.)


Die Erfahrung einer Tierseuche ist anderen existenziellen Erfahrungen und Auslösern für einen biographischen Deutungsverlustes, etwa einem Todesfall in der Familie, ähnlich.


III. Anknüpfungspunkte für seelsorgliche Begleitung
Oft sprechen Nachbarn, Veterinäre oder landwirtschaftliche Sprecher den Seelsorger vor Ort direkt an – man wird eingeführt, ist willkommen. Andernfalls, insbesondere, wenn man die Familie nicht schon kennt, ergibt sich ein Kontakt über ein Telefonat. Stammt der Seelsorger selbst aus einem bäuerlichen Hintergrund, erleichtert das vieles. Angesichts der Situation ist jedoch entscheidend, dass er oder sie nicht mit denen identifiziert wird, die innerhalb der traumatisierten Wirklichkeitserfahrung mit den Verursachern der Ohnmachts- und Desolidarisierungserfahrung (Institution / Obrigkeit / bissige Erntedankpredigt aus dem Vorjahr) gleichgesetzt werden. Der Seelsorger sollte als verlässlich erlebt werden können. Eine ungezwungene Kontinuität des Begleitungsangebotes ist sinnvoll, insbesondere dann, wenn es auf dem Hof still geworden ist.


Begleitung der Landwirtsfamilie bei der Keulung ihres Hofes bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Seelsorger bei der Tötung dabei ist. Die Einschätzung, wessen man sich aussetzen kann, ist wichtig. Ist der Seelsorger während der Keulung auf dem Hof, muss er sich allerdings auf eine Vielzahl betroffener Personen und auch Helfer (Kreislandwirt, Kreisveterinär, Feuerwehr, Polizei usw.) einstellen. „Kirche am Küchentisch“, an dem sich die Wege der Familienmitglieder kreuzen, ein gemeinsamer Spaziergang mit den Altenteilern oder das Angebot zu einer gemeinsamen Abwesenheit, während auf dem Hof gekeult wird, können jedoch ebenso hilfreich sein. Schlüsselelement einer seelsorglichen Begleitung vor und am Tag der Keulung ist ein rechtzeitig eingeleiteter Abschied oder ein Abschied im Nachhinein, den angesichts der Unfassbarkeit des Ereignisses eigentlich nur religiöse Symbolik und Sprache initiieren und ausdrücken kann. Seit vielen Jahrzehnten ist das Schlachten (bis auf das Ausnahmeschlachten durch einen hoffremden Profi zu einer gewissen Jahreszeit und zum Eigenverzehr) von den Höfen abgegeben worden. Viele landwirtschaftliche Familien sind daher, was die Schlachtung angeht, ebenso „entfremdet“ wie die Gesellschaft insgesamt. Massenkeulungen treffen sie daher völlig unvorbereitet. Der Seelsorger kann helfen, die gewohnten Abschiedsrituale, die vollzogen werden, wenn ein Tier zum Schlachten abgegeben wird, aufzuspüren und zu vollziehen. Ein Gebet oder ein liturgischer Rahmen kann ein Ruhepunkt im Chaos sein. Das Ritual des Abschieds ist aber nicht schon die ganze Seelsorge.


Genauso wichtig ist das seelsorgliche Gespräch, in dem sich das Erlebte in der Regel selbst thematisiert. Aktives Zuhören ist auch hier die beste Seelsorge. Am Tag nach der Keulung kann es wichtig sein, die Orte auf dem Hof, die sich mit dem Schrecken des Geschehens verbinden, gemeinsam mit dem Betroffenen abzugehen. Es ist für ihn wichtig, zu sehen, was er redet. Das Gesprächsangebot sollte sich immer an der ganzen bäuerlichen Familie orientieren. Frauen gehen dabei oft schnell aus sich heraus, wohingegen Männer sehr lange brauchen, um auf sich und ihr Erleben zu sprechen zu kommen. Kinder werden leider oft vergessen. In ihrem Verhalten spiegelt sich die Belastung der Eltern. Vaterbilder (der Allesretter) kommen ins Wanken. In der Schule sind sie Zielscheibe ihrer Mitschüler. Für Seelsorgerinnen und Seelsorger kann es hilfreich sein, sich zuvor mit einigen scheinbar einfachen Fragen, welche die Keulung mit sich bringen kann, auseinander zu setzen: Erleben die Tiere die Massenkeulung bewusst? Haben Tiere ein Seele? Kommen die gekeulten Tiere jetzt in den Himmel? Welchen liturgischen Worte und Formen passen für das Ende eines Tieres? Wäre ich als Seelsorger bereit der Bitte nachzukommen, einen neuen Tierbestand zu segnen? Will ich mich über das seelsorgliche Gespräch hinaus solidarisieren (z.B. Predigt oder Fürsprache bei der Bank)? Will ich in den Medien Stellung zum Geschehen nehmen? Ein Gespräch mit Kolleginnen und Kollegen kann sinnvoll sein, um sich auf solche Fragen vorzubereiten.


Insgesamt ist jedoch festzuhalten, dass die Hilfsmöglichkeiten nach dem Potential der Beteiligten so unterschiedlich sind, dass es keine allgemeingültigen Tipps gibt. Ein wiederholtes Gespräch mit der Familie ist einem Trauernachgespräch vergleichbar.


Hilfenetze Betroffener untereinander und ihre Begleitung können dazu beitragen, die Betroffenen aus der sozialen Isolation herauszuführen. Gemeinden können helfen, Kontakte zu knüpfen und Kompetenzen ehemaliger Betroffener zu nutzen.


Über die Entstehung, Verbreitung, Erscheinungsformen und Auswirkung der Seuche, in deren Fall das Angebot einer seelsorglichen Begleitung gemacht werden soll, sollte man sich zuvor dringend informieren. Wichtige Informationen sind z.B. Hinweise über mögliche Ansteckungsgefahren für den Menschen und Zugangsberechtigungen auf das Seuchengehöft während möglicher Sperrzeiten. Stets aktuelle Informationen findet man auf der Homepage der zuständigen Kreisveterinärämter und des Landestierseuchenkontrollzentrum (LaTiKo) im LANUV NRW.


IV. Anlass und Hintergrund der Handreichung.
Die Vieh haltende Landwirtschaft ist auch in Zukunft nicht vor neuen Seuchen geschützt. Hauptbedrohung ist zurzeit die Afrikanische Schweinepest, gegen die es aktuell auch keinen Impfstoff gibt. Latent lauert aber auch die Gefahr der Maul- und Klauenseuche (MKS) sowie der Geflügelpest. Bei den genannten Seuchen sind derzeit Bestandskeulungen gesetzlich vorgeschrieben. Betroffene werden also das zuvor beschriebene Szenario erleben und seelsorgliche Begleitung benötigen.
Das Töten von Tieren unterliegt jedoch aus unserer Sicht strengen, schöpfungstheologisch begründeten Grenzen des ethisch Vertretbaren. Diese Grenzen werden in der EU-Seuchenpolitik unserer Meinung nach immer noch überschritten, z.B wenn es Alternativen wie die Impfung gibt. Wo es diese Alternativen zur Keulung gibt, sind diese anzuwenden.


Den Einsatz für seelsorgerliche Hilfestellung im Krisenfall sollen diese Feststellungen jedoch nicht beeinträchtigen. Diese ist Dienst am Menschen. Denn im konkreten Fall sind der Landwirt und seine ganze Familie dem Geschehen weitgehend hilflos ausgeliefert.


V. Impressum
Diese Handreichung wurde erstellt von einer ökumenischen Arbeitsgruppe der Katholischen ländlichen Verbände KLB und KLJB im Bistum Münster, der LVHS Schorlemer Alst und des Institutes für Kirche und Gesellschaft der Evangelischen Kirche von Westfalen. Sie basiert auf der Arbeitshilfe „Seelsorgende im Tierseuchenfall“ des Kirchlichen Dienstes auf dem Land der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Die Aussagen ehemals betroffener Landwirte sind der Studie von Karin Jürgens „Tierseuchen in der Landwirtschaft. Die psychosozialen Folgen der Schweinepest für betroffene Familien - untersucht an Fallbeispielen in Nordwestdeutschland“ (Würzburg 2002) entnommen.


Ergänzende und konkretisierende Fortbildungsangebote für Seelsorgerinnen und Seelsorger in landwirtschaftlich strukturierten Gemeinden sind von den Landvolkhochschulen und den ländlichen Verbänden der evangelischen und katholischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen jederzeit realisierbar. In Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern, den Kreisveterinärämtern sowie erfahrenen Seelsorgerinnen und Seelsorger können diese vorbereitet und durchgeführt werden.


Kurzfristig ist ein Anruf bei ihrem zuständigen Veterinäramt, das in der jeweiligen Kreisverwaltung zu finden ist, sicher die erste Wahl.


Für Rückfragen oder Hilfe bei akuten Seuchenfällen können Sie uns jederzeit anrufen. Wir nennen Ihnen Ansprechpartner vor Ort oder helfen Ihnen nach unseren Möglichkeiten bei der Begleitung der betroffenen Familien.

Ansprechpartner für diesen Beitrag

Ulrich Oskamp

KLB-Diözesanreferent

Telefon: 0251/53913-23
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